In Schloss Trebnitz

IM SPEISESAAL

beim Blick hinter die Kulissen

wächst fast kein Kind mehr in einem intakten Elternhaus auf

der Alkohol ist nicht mal das Schlimmste

sondern der Missbrauch

und kein

Guten Morgen

und kein

Gute Nacht

und jetzt im Schloss

soll

nach dem Frühstück

ganz banal der Tisch abgewischt werden

keinen Bock drauf

fühlt sich an wie Erziehung nachholen

15 Jahre in einer Woche

weil auch Krümel auf dem Tisch

sich nicht einfach in Luft

auflösen

ganz

von selbst

 

IM MUSEUM

Inspiration: Gustav Seitz

ohne Kampf

zwischen links und rechts

Ost und West

für mehr Bewegung

im Sein

eintreten lieber dafür

als dagegen und den Radius

erweitern

der inneren Freiheit

der inneren Sicherheit

zur Persönlichkeit

werden

als eigene Bildhauer*innen

sich öffnend und den Stein

auf dem eigenen Herzen

zu einem Kunstwerk verformend

das zulassen

auch die anderen

mit den anderen

und

jeder atmet durch

ganz tief

Geschichte: Auf dem Campus und Gutshof Schloss Trebnitz in Brandenburg, nahe der polnischen Grenze, kurz vor den Seelower Höhen, wo 1945 die größte Schlacht des Zweiten Weltkrieges zwischen Roter Armee und deutscher Wehrmacht stattfand und 45.000 Soldaten starben und 40.000 verwundet wurden, treffen sich heute Kunst, Politik und Soziales. 1992 wurde der Verein Schloß Trebnitz, Bildungs- und Begegnungszentrum gegründet, um es in ein offenes Haus für internationale Jugendbegegnungen zu verwandeln, zur Völkerverständigung. Heute treffen sich hier Jugendliche aus vielen Ländern. Vor Ort gibt es das Archiv für Heilpädagogik, einen Dorfladen und das Museum Gustav Seitz, mit dem Nachlass des Bildhauers, der neben Büsten von Brecht, Thomas und Heinrich Mann, vor allem die berühmten Skulpturen von Käthe Kollwitz fertigte.

2018 Einladung als „Schlossschreiberin“.  Dabei entstanden 16 Gedichte und Farbflächen, zusammengeführt in einem Collageheft, die einen Rundgang über den Campus beschreiben.

Projektpartner*innen: Gustav Seitz Museum // Schloß Trebnitz Bildungs- und Begegnungszentrum e.V. // Gefördert mit den Mitteln des Ministeriums für Wissenschaft, Forschung und Kultur des Landes Brandenburg